Psychiatrie auf der Straße – kann sie Wohnungslosigkeit beenden, Eva Fučík?

Zu der Person:

Dr. med. Eva Fučík
ist Fachärztin für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie.

Sie hat gemeinsam mit der Franziskustreff-Stiftung in Frankfurt eine psychiatrische Praxis für Menschen ohne festen Wohnsitz aufgebaut – ein Angebot, das bislang in dieser Form einzigartig ist und direkt an der Lebensrealität von Menschen ansetzt, die im regulären Versorgungssystem häufig keinen Zugang finden.

Der Franziskustreff ist ein offenes, niedrigschwelliges Hilfeangebot in Frankfurt am Main, das seit vielen Jahren von Wohnungslosigkeit und Armut betroffene Menschen begleitet und unterstützt. Die dort integrierte psychiatrische Praxis ergänzt die bestehenden sozialen Angebote um ein medizinisches Angebot, das flexibel, ohne bürokratische Hürden und nah am Alltag wohnsitzloser Menschen arbeitet. Diese können ohne Termin und ohne Meldeadresse kommen; Behandlerinnen suchen Patientinnen auch direkt auf, wenn diese nicht den Weg in eine Praxis finden können.

Quelle: Franziskus Treff

 

Ein Gespräch mit Eva Fučík über soziale Abstiegsdynamiken, niedrigschwellige Versorgung und ein Gesundheitssystem, das auch diejenigen erreicht, die sonst durchs Raster fallen.

Stellt euch eine Welt vor in der psychische Erkrankungen und Wohnungslosigkeit sich nicht gegenseitig bedingen. Eine Welt, in der unser Gesundheitssystem auf Menschen vorbereitet ist, die keine feste Adresse, keine stabile Tagesstruktur und oft keine Kraft mehr haben, Termine zu organisieren oder Anträge auszufüllen.

Genau hier setzt die Arbeit von Eva Fučík an. Mit der Frankfurter Praxis für Menschen ohne festen Wohnsitz hat sie gemeinsam mit der Franziskustreff-Stiftung ein Modell geschaffen, das niedrigschwellige, flexible und teils aufsuchende psychiatrische Behandlung ermöglicht. Ein größtenteils aus Spenden finanziertes Angebot, das bislang in Deutschland einzigartig ist – obwohl der Bedarf groß ist.

Im Gespräch wird deutlich, wie schnell Menschen durch Krankheit, Jobverlust oder persönliche Krisen sozial abrutschen können. Und wie schwer es ist, ohne stabile Lebensumstände Zugang zu Therapie und psychiatrischer Behandlung zu bekommen. Gleichzeitig zeigt die Folge, dass passende Unterstützung echte Wendepunkte schaffen kann – bis hin zur Rückkehr in eigenen Wohnraum oder Beruf.

Diese Episode macht deutlich: Es geht nicht nur um individuelle Schicksale, sondern um strukturelle Versorgungslücken. Und um die politische Frage, warum innovative Modelle wie dieses bislang Ausnahme bleiben.


Transkript:

Wir haben die Folge für euch auch transkribiert. Das Skript dazu findet ihr hier:


Diese Folge hat Madeleine aufgezeichnet

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